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ISBN 978-3-940459-17-6, 212 Seiten, 14,90 EUR, Deutsch, Paperback, 21 x 14,8 cm


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Preis: 3,73 EUR

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Belletristik

Fühl mal, Schätzchen

Roman

von Ulrike Linnenbrink

EINE FRAU DURCHLEBT EINE HÖLLE, AUS DER ES KEIN ENTRINNEN ZU GEBEN SCHEINT.

Lisa wird von ihrem arbeitslosen Mann Richard immer brutaler misshandelt. In ihrer Verzweiflung beschliest sie, ihn umzubringen. Doch der Versuch misslingt, und Lisa ist ihm schlimmer ausgeliefert als zuvor. Wird es ihr gelingen, einen Ausweg zu finden?

Hans Peter Röntgen:

Szenen einer Ehe

"Nie wieder", schwöre ich meinem Spiegelbild, "nie wieder wird dieses Arschloch das mit mir machen!" Wütend betupfe ich die Verletzungen in meinem Gesicht. Noch immer sickert Blut aus dem Riss unterm Nasenflügel, aus der geplatzten Oberlippe, die inzwischen heftig angeschwollen ist. Auch die Gegend um das rechte Auge scheint kräftig etwas abbekommen zu haben. Morgen werde ich mit einem herrlichen Veilchen durch die Gegend laufen. Was soll ich den Leuten bloß wieder erzählen?

Lisa war glücklich verheiratet. Doch das ist lang her, denn ihr Mann wurde arbeitslos und fing an, zu trinken. Seitdem verprügelt er sie regelmäßig im Suff.

Eines Tages, als er sie obendrein auch noch vergewaltigt, klickt sie aus. Ihr Mann schnarcht im Dachgeschoß den Rausch aus und Lisa steckt ihm eine brennende Zigarette zwischen die Finger. Sie achtet darauf, dass die naheliegende Zeitung in Brand gerät und verlässt das Haus.

Ihr Plan gelingt, doch nicht ganz. Das Haus brennt ab, doch ihr Mann kann sich durch einen beherzten Sprung in den Gartenteich retten. Niemand verdächtigt Lina, dass sie ihre Hand im Spiel hatte. Ganz im Gegenteil. Ihr Mann zeigt Reue, schwört Besserungen, er wird den Alkohol lassen und sie besser behandeln. Zwei Monate klappt das auch. Dann schöpft er Verdacht, dass der Brand vielleicht nicht so zufällig war wie gedacht. Er fängt wieder das Trinken an und ein Psychoterror ganz eigener Art beginnt ...

Als Frauenbuch erschien es bei Lübbe. Eigentlich ist es weniger ein Frauenbuch, als vielmehr ein Psychothriller, ein höchst realistischer zudem. Von einem Mann, der die Fassade des Erfolgs aufgesetzt hat und abstürzt, als diese einstürzt, von King Alk, der ihn endgültig zerstört und einer Frau, die sich von ihrem Mann nicht lösen kann, egal, wie schäbig er sie behandelt.

Beklemmend schildert uns die Autorin diese Entwicklung, die erst in einem Mordversuch gipfelt, dann in scheinbarer Versöhnung, und wie die Geschichte immer weiter auf den Abgrund zu taumelt. Anfangs beginnt das Buch eher ruhig, doch dann packt es den Leser und lässt ihn nicht mehr los. Zumal die vorgestellte Konstellation - sieht man vom Mordversuch ab - so selten gar nicht ist und sehr realitätsnah geschildert wird.

Ein Buch über Menschen, die nicht miteinander reden, die getrimmt wurden, den schönen Schein aufrecht zuhalten und darüber, was passiert, wenn dieser in Stücke geht. Ein wenig erinnert es an Maigrets Meisterwerke, ein wenig an Patricia Highsmith. Nur am Anfang gibt es ein, zwei Szenen, da merkt man, dass das Buch Anfang der Neunziger geschrieben wurde: Da wird es ein bisschen zu plakativ. Aber das sind wirklich wenige Seiten.

Fazit: Ebenso spannender wie bedrückender Psychothriller.




Iris Kammerer:

Lisa Merkel war einmal eine glücklich verheiratete Frau; zwei Kinder, ein beruflich erfolgreicher Mann, ein Haus mit Garten - da tat sie sich leicht, dem Wunsch ihres Mannes zu folgen und sich der Familie zu widmen. Doch als Richard arbeitslos wird, bricht für ihn die Welt zusammen - und dieser Schlag fällt auch auf die Familie zurück. Lisa, die sich von jeher willig gefügt hat, rutscht allmählich in die Rolle des Prellbocks, wird zur Zielscheibe körperlicher und seelischer Gewalt. Als er sie schließlich vergewaltigt, kanalisieren sich Wut und Verzweiflung in dem Entschluß, ihren Peiniger umzubringen.

Der Plan schlägt fehl; doch Lisas schlaue Inszenierung geht als Unfall durch - zu sauber ist die Fassade von heiler Welt, die vor allem Lisa nach außen hin aufrechterhalten hat. Körperlich entstellt kehrt Richard aus dem Krankenhaus nach Hause zurück. Zunächst scheint er mit seiner Absicht, mit seiner Familie ein neues Leben anzufangen, ernst zu machen, eine Lehre gezogen zu haben.

Doch der Firnis ist nur dünn, und die unbewältigte Frustration resultiert in neuer Gewalt. Als er zufällig herausfindet, daß hinter dem Hausbrand, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte, ein Plan Lisas stecken könnte, eskaliert die Situation - schwer verletzt findet sich Lisa im Krankenhaus wieder. Doch auch hier verfolgt er sie. Selbst ihre zeitweilige Zuflucht in einem Frauenhaus spürt er auf. Schließlich findet Lisa mit den Kindern Unterschlupf in einem Häuschen auf dem Land, aber hier fühlt sie sich ebenfalls nicht sicher. Ihre Anstrengungen, Richard wegen Körperverletzung anzuklagen, stürzen sie wegen ihres eigenen Mordversuchs in Gewissenskonflikte und Ängste, aus denen sie keinen Ausweg zu finden glaubt.

Die Erzählung ist konsequent aus Lisas Perspektive geschildert, so daß man als Leser(in) ihrer Entwicklung nachtasten kann und quasi mit ihr durch die Hölle geht, ehe sie die ersten Versuche zur eigenen Entfaltung macht.
Ulrike Linnenbrink läßt vor unseren Augen den Prototyp der braven Hausfrau und Mutter erstehen, eine Frau, die fehlende Eigeninitiative durch Anpassung wettzumachen glaubt und damit nicht nur zur Totengräberin ihrer selbst, sondern sogar beinahe ihrer Familie wird. Erst auf der Flucht erkennt sie die Notwendigkeit sich zu behaupten um ihrer eigenen Zukunft, aber auch um ihrer Kinder willen.

Ein Buch, das nachdenklich stimmt angesichts der Vorzeigefamilien in ihren Vorstadtidyllen.

ULRIKE LINNENBRINK
1947 im Ruhrgebiet geboren, studierte an der pädagogischen Hochschule Münster, war anschließend als Lehrerin an verschiedenen Haupt- und Grundschulen im Ruhrgebiet und im Münsterland tätig. Seit 2000 lebt sie in einem kleinen Dorf im Münsterland und schreibt ...


Schlagwörter: Gewalt in der Ehe; Misshandlung; Brutalität; Mord

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